Die Ruhr und ihr Gebiet. Leben am und mit dem Fluss.

Die Ruhr und ihr Gebiet. Leben am und mit dem Fluss.

Bodo Hombach (Hg.), ISBN 978-3-402-24640-5, €39,90

Dieses auf zwei Bände und 800 Seiten ausgedehnte Buch ist ein „inhaltlich beschränktes“, weil bewusst rückbesinnendes. Darstellungen der Entwicklung des Ruhrgebiets beginnen immer an der Ruhr, im Sog der industriellen Expansion verlassen sie das Ruhrtal meist schon um 1860 und wenden sich den „dynamischeren“ Bereichen beiderseits der Emscher zu. Das rheinisch-westfälische Industriegebiet mutierte in den 1920er/1903er Jahren zum Ruhrgebiet – zu einem Zeitpunkt, als der Produktionsschwerpunkt längst weiter nach Norden gewandert war und die Bereiche beiderseits der Ruhr strukturell längst nicht mehr repräsentativ für diese Industrieregion waren. Dieses Buch folgt nur gelegentlich dem vorgezeichneten Trend, sondern bleibt an der Ruhr – von der vorindustriellen Zeit bis in die Gegenwart und in einer großen inhaltlichen Breite.

Der Band 1 (Heimat Ruhr: Fluss, Tal, Siedlung seit Anfang des 19. Jahrhunderts) widmet sich dem „Naturraum Ruhr“, dem „Naturwirtschaftsraum Ruhr“, mit dem die Landwirtschaft, der Weinbau, das Fischereiwesen …. gemeint ist, dem „Wohnraum Ruhr“ (Leben am Fluss, Stadtplanung, Wohnverhältnisse …) und dem „Kulturraum Ruhr“ (Kunstobjekte, Museum, Industriekultur, Ruhrliteratur …). Der Band 2 (Fluss, Industrieregion, Strukturwandel seit Anfang des 19. Jahrhunderts) geht zunächst unter dem Titel „Wirtschaftsraum Ruhr“ der Bedeutung der Ruhr innerhalb der regionalen Industrialisierung nach, der „Verkehrsraum Ruhr“ behandelt die Ruhrschifffahrt und die Eisenbahnen im Ruhrtal mit allen Wandlungen bis in die Gegenwart, der „Wasserwirtschaftsraum Ruhr“ die Bedeutung der Ruhr als regionaler Wasserversorger. Unstrittig ist heute der Freizeitwert von Ruhr und Ruhrtal. Dementsprechend behandelt der „Sport- und Freizeitraum Ruhr“ die ungeplante Freizeitnutzung, das organisierte Baden, den Wassersport, den Angelsport, das Wandern auf den Ruhrhöhen und nicht zuletzt das Kaffeetrinken in einem der zahlreichen Restaurants mit Blick auf die Ruhr. Insgesamt präsentieren die beiden Bände eine mit bekannten, mehrheitlich jedoch unbekannten Abbildungen gut ausgestattete Vielzahl von Blickwinkeln auf die Ruhr, dank einer guten Editierung sind Wiederholungen selten. Die Brost-Stiftung hat sicherlich dazu beigetragen, dieses attraktive Werk auch zu einem attraktiven Preis zu ermöglichen.