Kulturhauptstadt 2010  -  Vorträge

Donnerstag 16.09.2010, 18:00 Uhr

Die „Musealisierung“ des Ruhrgebiets

Referent
Prof. Dr. Ulrich B o r s d o r f, Ruhrmuseum Essen

Veranstaltungsort
Haus der Technik, Essen, Anfahrt

Donnerstag 21.10.2010, 18:00 Uhr

Struktur und Perspektiven des postindustriellen Ruhrgebiets

Referent
Prof. Dr. Hans-Heinrich B l o t e v o g e l, TU Dortmund

Veranstaltungsort
Haus der Technik, Essen, Anfahrt

Das Ruhrgebiet hat in den vergangenen fünf Jahrzehnten einen beispiellosen Entindustrialisierungsprozess durchgemacht. Während in der Vergangenheit die Montanindustrie die Identität der Region prägte, sucht das Ruhrgebiet heute nach einem neuen Selbstbild. Die Strukturdaten deuten eher auf eine schrumpfende Altindustrieregion hin, doch die für Regionalentwicklung verantwortlichen Akteure versuchen, das Ruhrgebiet als postindustrielle Metropole im Wettbewerb der Regionen zu positionieren. Tatsächlich wird die Entwicklung in den Städten des Ruhrgebiets durch hochgradig disparitäre Entwicklungen mit einem Nebeneinander von schrumpfenden Stadtteilen einerseits und dynamischen, prestigeorientierten Entwicklungsprojekten andererseits gekennzeichnet. Diese Prozesse resultieren aus einer Kombination marktförmiger und politisch-planerischer Steuerungsformen, indem die Städte durch teilweise spektakuläre Städtebauprojekte und Events symbolisches Kapital zu erzeugen versuchen. Die Wirkungen dieser Strategien lassen sich bisher nur vorläufig abschätzen; im Hinblick auf das Leitbild der nachhaltigen Stadtentwicklung sind sie höchst ambivalent.

 

Donnerstag, 18.11.2010 , 18:00

Festveranstaltung

zum 90-jährigen Bestehen der Vorläufergesellschaften „Geographische Gesellschaft für das Ruhrgebiet, Essen e.V.“ und „Geologische Gesellschaft Essen e.V.“

Vortrag: "Metropolis Reconsidered"
Alptraum und Angstraum der amerikanischen Großstadt– und was Europa daraus lernen kann

Referent
Prof. Dr. Werner G a m e r i t h, Universität Passau

Veranstaltungsort
Haus der Technik, Essen, Anfahrt

 Fritz Langs Meisterwerk "Metropolis" (1927) hat Angstträumen und Angsträumen in der Metropole der Moderne ein erstes monumentales filmisches Angesicht verliehen. Doch diese von amerikanischen Bildern gespeiste Kritik, die Kassandrarufe, die vor einer entmenschlichten, übertechnisierten und von der Natur abgehobenen Groß­stadt warnten, entstammt einer europäischen Grundstimmung, die mit dem sprich­wörtlichen amerikanischen Optimismus, dem "Höher", "Größer", "Schneller", geogra­phisch kurz gefasst der Devise "Go West", nur wenig zu tun hat. In den USA hinge­gen glitzerte die Metropole, und nicht zuletzt Hollywood hatte an dieser Glorifizierung entscheidenden Anteil. Doch der Alltag sprach mit der Massenflucht aus der Groß­stadt und der scheinbar grenzenlosen Suburbanisierung jenseits aller konventio­nel­len Stadtvorstellungen schon lange eine andere Sprache.

 

Der Vortrag wird diese Interpretationen der amerikanischen Metropole anhand eini­ger kulturgeographischer Beispiele illustrieren und zeigen, wie sehr die Ikone der fun­kelnden Metropole einer ernüchternden Realität aus gesichtslosen Vorstädten und so­zial degradierten Stadtzentren gewichen ist. Diese Tristesse ist durch den Kollaps des Immobiliensektors weiter verstärkt worden. Es wird zu zeigen sein, welche Wege mitteleuropäische, vor allem deutsche Städte beschreiten sollten, um diesem ameri­ka­ni­schen Beispiel nicht zu folgen – und worin die Chancen liegen, dass die Metro­pole in Europa nicht zur "Metropolis" à la Lang wird.